Zerlegen und Schmieren eines Cosina 100mm / 1:3,5 Makroobjektivs

Sprache: Deutschlanguage: english
© 2006 Sebastian Voitzsch
letzte Änderung: 09.01.2007

Don´t try this at home!

Für die nachfolgende Anleitung kann keine Garantie übernommen werden. Sofern Fett auf die Linsen gelangt, werden die Abbildungseigenschaften des Objektivs beeinträchtigt. Es ist auch möglich, daß sich das Fett im Laufe der Zeit auf den Linsen niederschlägt; allerdings sei gesagt, daß andere Objektive üblicherweise geschmiert sind. Auch für Objektive, die der Besitzer zwar auseinander, aber nicht wieder zusammen bekommt, kann keine Haftung übernommen werden.

Das Cosina-Objektiv erfreut sich derzeit sehr großer Beliebtheit. Dies ist vor allem seinem gemessen an den sehr guten Abbildungseigenschaften außerordentlich günstigen Preis zu verdanken. Doch das Schnäppchen hat einen kleinen Haken - es ist sehr laut und rappelig. Im D7-Userforum wird es spöttisch gerne als "Kaffeemühle" bezeichnet.

Nachdem nun auch ich eine Kaffeemühle aus der Bucht gefischt habe und die optischen Leistungen mich überzeugt haben, stellte sich die Frage, ob man den Geräuschpegel des Objektivs nicht deutlich senken und das Gerappel vermindern, wenn nicht gar abstellen könnte. Dazu galt es zunächst, herauszufinden, wie man das Objektiv zerlegt.

Die erste Hürde war der eingeklebte Frontring mit der Beschriftung. Vom Minolta 50mm / 1:1.7 kannte ich die Schraubversion und habe mit allen möglichen und unmöglichen Gegenständen versucht, den Frontring zu drehen - Fehlanzeige. Irgendwann habe ich beherzt mit einem Schraubendreher am Ring herumgeporkelt - und siehe da, er löste sich. Hervor kamen drei Klebstoffpunkte und darunter drei Schrauben - ich war also auf dem richtigen Weg!

Bevor diese drei Schrauben gelöst wurden, habe ich mit einem roten CD-Marker die Position des Linsenelements markiert. Man weiß nie, ob die Position evtl. entscheidend ist. Dann die Schrauben lösen und das Frontlinsenelement herausheben, zur Seite stellen und abdecken, damit´s nicht einstaubt. Und nach Möglichkeit keine Fingerabdrücke drauf hinterlassen! Ich habe mir mittlerweile angewöhnt, bei solchen Basteleien Einweg-Gummihandschuhe zu tragen - man kann alles anfassen und hat keine Tapsen drauf. Aber bitte keine gepuderten Handschuhe verwenden!

Auch die nun zugägliche Röhre mit der Blende habe ich erst markiert, dann die Schrauben gelöst und vorsichtig herausgehoben. Jetzt ist es an der Zeit, das Objektiv von der Rückseite zu inspizieren. Im Bild ist die Minolta-Version gezeigt. Zunächst die Schrauben der Konaktplatte lösen, dann die 3 kleinen schwarzen im Innenring. Jetzt kann man den Innenring vorsichtig abheben, wenn man die Kontaktplatte etwas zur Seite schiebt. Unter der Kontaktplatte ist eine kleine Spiralfeder versteckt, die sich gerne selbständig macht, aufpassen! Das Kabel der Kontaktplatte bietet wenig Spiel und seine Stabilität ist nicht zu überschätzen. Also nicht dran ziehen, sondern vorsichtig nur soweit zur Seite schieben, daß der Innenring abgehoben werden kann.

Jetzt werden die 4 silbernen Schrauben gelöst und das Bajonett abgenommen. Da Minolta einen in der Kamera integrierten Fokusmotor hat, ist an dieser Stelle im Objektiv wenig los. Canon- und Nikon-User sind auf sich gestellt und müssen etws mehr demontieren, was ich mangels entsprechender Objektive nicht zeigen kann. Die zwei Schrauben am Antrieb werden gelöst und der Antrieb vorsichtig herausgezogen. Dabei muß man eventuell etwas hin- und herbewegen und das Objektiv etwas in Richtung Naheinstellung fokussieren, damit die Antriebsstange etwas Spiel hat.

Nun wird das Objektiv wieder herumgedreht, auf unendlich eingestellt und der Ring vor der Gummierung abgeschraubt. Auch hierunter finden sich drei Schrauben und ein Sicherungsring, die zu entfernen sind. Nun kann der Ring mit der Skala abgedreht werden. An dieser Stelle wird es interessant. Dreht man den nun sichtbaren Ring, fährt die Fokussierung des Objektivs heraus. Man hüte sich davor, den Tubus ganz herauszudrehen! Denn die beiden Gewinde, die hier ineinander greifen, müssen in einer bestimmten Stellung zueinander stehen, damit der volle Fokusweg zur Verfügung steht und man von Unendlich bis zur Naheinstellung scharfstellen kann. Ich wußte das natürlich nicht und hatte fix zwei Röhren in der Hand. Das Ausprobieren des richtigen Punktes hat mich eine gute Stunde gekostet!

Nachdem das Objektiv nun in allen Einzelteilen vor mir lag, wurde klar, daß das Gerappel vor allem daher kommt, daß Plastik direkt auf Plastik läuft - im ganzen Objektiv ist nicht ein Gramm Schmiermittel vorhanden (na gut, das bißchen an Antriebszahnrädern zählt nicht! Was Cosina dazu bewegt, weiß ich nicht - andere Objektive sind auch geschmiert, die Gefahr, daß sich das Fett im Laufe der Zeit an den Linsen niederschlägt, ist also recht gering. Also habe ich beherzt den Fetttopf herausgeholt und die Gewinde großzügig geschmiert, zumal die Linsen alle in Röhren sitzen, ein direkter Kontakt also nicht möglich ist. Und ich weiß ja jetzt, wie ich´s auseinander kriege... Fett hat zudem den Vorteil, daß es die Bewegung dämpft - statt des Plastikgefühls hat man eine weiche, satte Fokussierung.

Dazu den Fokusring etwas in Richtung Naheistellung drehen und damit das Objektiv etwas auszufahren. Jetzt sollte man den oberen Teil festhalten - das Gewinde ist kürzer als das untere, irgendwann dreht er sich unweigerlich mit. Die Fokussierung so lange drehen, bis beide Gewinde zugänglich sind. Nun auf die zugänglichen Ränder der Gewinde etwas Schmierfett geben, dabei die Röhren nicht gegeneinander verdrehen. Das Fett verteilt sich nach ein paar Hin- und Herbewegungen selbständig auf dem ganzen Gewinde. Die obere Röhre erneut festhalten und mit einer Drehbewegung in Richtung Unendlich-Stellung das Objektiv wieder einfahren.

An einem Punkt hakt es dabei - wenn die obere Röhre auf ihre Führungsnuten stößt. Im Tubus gibt es zwei einfache und zwei doppelte Nuten. Die zweite Doppelnut (vgl. letztes Foto) muß an die Stelle, an der im unteren Tubus die Aussparung für den Antrieb sitzt. Vorsichtig ein bißchen hin- und herdrehen, bis die Röhre in die Nuten gleitet. Ich habe auch die Nuten mit ein bißchen Fett versehen - es kann nicht schaden.

Jetzt bleibt nur noch, das Objektiv wieder zusammen zu bauen. Für den Skalenring das Objektiv ganz einfahren, der Skalenring muß in der Naheinstellungs-Position aufgesetzt und dann eingeschraubt werden. Die Unendlich-Marke in Flucht mit dem Skalenzeiger bringen und den Sicherungsring festschrauben. Zur Kontrolle einmal bis zur Naheinstellgrenze und zurück drehen - und sich freuen, wie leicht und gar nicht mehr klapprig das Objektiv läuft. Sofern das Ergebnis nicht zufrieden stellt, ein paarmal hin- und herbewegen, ggfls. noch etwas Schmiermittel auf das Gewinde geben.

Jetzt können Ungeduldige die Rückseite des Objektivs wieder komplettieren und einen ersten Testlauf des leeren Objektivs an der Kamera starten - und mir alsdann berichten, ob sich der Aufwand gelohnt hat!

Viel Spaß beim Basteln!

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